
Schmerzlinderung im Sport: Wirkung, Risiken und Fakten
Schmerzfreies Resümee: Der Artikel fasst zusammen, was die Forschung über Schmerzmittel im Sport zu sagen hat. Die zentrale Frage ist, ob Schmerzmittel die Leistung steigern können und welche Risiken mit ihrer Anwendung vor oder während Training und Wettkampf verbunden sind. Studien zeigen, dass Schmerzreduktion in spezifischen kontrollierten Tests Athleten unterstützen kann, härter zu pushen, besonders bei kurzen und intensiven Anstrengungen oder Hitze. Es gibt jedoch klare Nachteile: Wiederholte Anwendung kann die Anpassung an das Training behindern und das Risiko gesundheitlicher Probleme unter Stress erhöhen. Das Fazit ist, dass kurzfristige Vorteile gegen langfristige Konsequenzen und medizinische Risiken abgewogen werden müssen.
Einleitung
Ziel dieses Artikels ist es—wie immer—die Forschung in diesem Bereich darzustellen. Wir beleuchten die möglichen negativen physiologischen und psychologischen Effekte der Verwendung von Schmerzmitteln und betonen auch Studien, in denen Forscher Leistungssteigerungen in kontrollierten Versuchen im Vergleich zu Schmerzmitteln festgestellt haben.
Wir sind vorsichtig bei der Anwendung von Schmerzmitteln im Sport und befürworten ihre Verwendung nicht. Während wir die potenziellen Vorteile in bestimmten Situationen verstehen, ist unsere grundlegende Haltung, dass sie nicht routinemäßig in Verbindung mit Training oder Wettkampf eingenommen werden sollten. Das gesagt, kommen wir zu den Fakten—der aktuelle Stand der Forschung ist folgendermaßen.
Hintergrund
Schmerzmittel, oder nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs), wie sie formell bekannt sind, sind eine Gruppe von Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkstoffen, aber oft demselben Zweck: die Reduktion von Schmerzen und Entzündungen. Du kennst wahrscheinlich Paracetamol (z.B. Alvedon, Panodil), Ibuprofen (z.B. Ipren, Ibumetin) und Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin, Bamyl). Zur Klarstellung: Paracetamol ist technisch gesehen kein NSAID, aber wir lassen dieses Detail beiseite, da der wesentliche Punkt einfach ist: Der Schmerz wird weniger wahrnehmbar.
Ein bisschen nerdiges Detail ist dennoch unterhaltsam. Viele rezeptfreie entzündungshemmende Medikamente wirken in der Regel, indem sie das Enzym Cyclooxygenase (COX) hemmen— in verschiedenen Formen. COX ist Teil des Prozesses, der zur Produktion von Prostaglandinen führt, die Schmerzsignale im Körper verstärken. Da Prostaglandine bei Schmerz und Entzündung zunehmen, steigt auch der wahrgenommene Schmerz. Durch die Hemmung von COX wird die Prostaglandinbildung reduziert, wodurch der Schmerz weniger intensiv erscheint.
Anwendung von Schmerzmitteln
Schmerzmittel werden vor allem vor und während des Wettkampfs eingesetzt. Studien zeigen, dass je länger der Wettkampf, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Teilnehmer Schmerzmittel einnehmen.
Eine Studie an Ultramarathonläufern, die entweder 44 km, 67 km oder 112 km liefen, zeigte eine weit verbreitete Verwendung:
- 44 km – 35% nahmen Schmerzmittel im Zusammenhang mit dem Rennen
- 67 km – 48% nahmen Schmerzmittel im Zusammenhang mit dem Rennen
- 112 km – 60% nahmen Schmerzmittel im Zusammenhang mit dem Rennen
Die Nutzung korreliert mit 50–60% der Ultramarathonläufer, die Muskel- und Skelettschmerzen erfahren, hauptsächlich in den Beinen (am häufigsten sind Knöchel und Knie), und darum Schmerzmittel während des Rennens einnehmen (Quelle). Aber diese Statistiken sind nicht einzigartig für Ultraläufer—unabhängig von der Distanz, vom Halbmarathon bis zum Ultra nutzen etwa 50–60% auch Schmerzmittel während des Trainings. Die Zahl ist ähnlich hoch unter Triathleten über die volle Distanz. Bei Halbmarathon- und Marathonläufern verwenden ungefähr 30% Schmerzmittel während des Wettkampfs.
Der Konsum ist am höchsten bei Läufern und Triathleten, die ihren Körper erheblichem mechanischen Stress aussetzen. Unter Radfahrern ist er deutlich geringer—nur 5–10% der Teilnehmer bei bestimmten Ultra-Distanzen (z.B. 24-h-Mountainbike) berichten von Nutzung. Die Schlussfolgerung ist einfach: Je größer die körperliche Belastung, desto höher auch der Verbrauch.
Das mag eine Menge Statistik gewesen sein, aber der häufige Gebrauch von Schmerzmitteln ist einer der Gründe, warum dieser Artikel notwendig ist.

Schmerzmittel als Leistungsbooster
Um stärker oder widerstandsfähiger zu werden, müssen wir oft unseren Körper über die Komfortzone hinaus pushen — und das tut weh. Die letzte Minute des letzten Intervalls, die finale Phase eines intensiven 20-Minuten-Trainings oder der Endspurt in einem Rennen sind oft die härtesten Momente. Da wirkt die Idee, Schmerzmittel zu nehmen, ziemlich verlockend: Schmerzen dämpfen, damit du schwerer heben, mehr Watt auf die Pedale bringen oder 30 Sekunden länger laufen kannst.
Aber was sagt die Forschung dazu? Schmerzmittel steigern bei einer bestimmten Belastung die Leistung nicht an sich. Die ersten Studien aus den 1990er Jahren gaben den Teilnehmern 650 mg Aspirin vor einem 3,2 km-Zeitfahren, fanden jedoch keinen messbaren Leistungsanstieg (Quelle). Eine weitere Studie erhöhte die Dosis auf 1000 mg Aspirin und ließ die Teilnehmer einen Belastungstest auf dem Fahrrad absolvieren, ohne dass sich die Leistung verbesserte (Quelle).
In neueren Studien testeten Forscher höhere Dosen — etwa 1500 mg (z.B. 3x500 mg oder 5x300–500 mg je nach Medikament) — und beobachteten in mehreren Fällen Leistungssteigerungen bei Belastungstests oder Sprints. Leistungssteigerungen variierten oft zwischen etwa 4% bis hin zu 17% unter heißen Bedingungen. Teilnehmer können sich stärker pushen, ohne von einem höheren wahrgenommenen Anstrengungsniveau zu berichten, was darauf hindeutet, dass die Schmerzwahrnehmung reduziert wird — nicht die tatsächliche Arbeitskapazität.
Aktive Dosis
Fasst man die Forschung zusammen, scheint es — wenig überraschend — dass Schmerzmittel die Leistung steigern können, wenn die Dosis ausreichend hoch ist. Dosen über etwa 1000 mg scheinen notwendig zu sein, und der Effekt zeigt sich vor allem bei kurzen, intensiven Anstrengungen (z.B. Intervalle oder Belastungstests). Die Studien verwendeten Protokolle wie 8x30 s mit 2 Minuten Pause, ein 16-km-Zeitfahren auf einem Testfahrrad oder ein 20–25-min-Zeitfahren bei 30 Grad — Situationen, in denen das Gefühl von Anstrengung und Schmerz oft die Leistung begrenzen, bevor die physiologische Kapazität erschöpft ist.
Für längere Distanzen, wie Ultramarathons, wo die Verwendung hoch ist, ist es naheliegend anzunehmen, dass Schmerzmittel die Leistung steigern können, indem sie die Schmerzen blockieren, sodass der Teilnehmer trotz Schmerz und Ermüdung weitermachen kann. Aber es ist schwierig, genau zu quantifizieren, wie viel die Leistung unter realen, schwer zu kontrollierenden Bedingungen (z.B. während eines 24-Stunden-Mountainbike-Rennens im Gebirge) steigt.
Ein Übersichtsartikel aus dem Jahr 2017 fasst die Forschung zusammen und zeigt im Allgemeinen, dass ja, Schmerzmittel die Leistung in mehreren Disziplinen und Situationen steigern können, wenn die Einnahme bei etwa 1500 mg oder 20 mg pro kg Körpergewicht liegt. Besonders bei Hitze scheint Paracetamol dabei zu helfen, die Körpertemperatur während der Leistung zu senken (was einen Leistungsvorteil bringen kann).

Die Kehrseite von Schmerzmitteln
Schneller Leistungsschub hin oder her – aber was passiert langfristig? Leider gibt es klare Nachteile.
Die Einnahme von NSAR hemmt die Proteinsynthese nach dem Training. Das bedeutet praktisch, dass die Muskeln ein schwächeres Signal zur Reparatur, Erholung und zum Wachstum bekommen. Kurz gesagt: Ein Teil des Trainingsstimulus geht verloren, wenn du gleichzeitig Schmerzmittel nimmst.
In einer kontrollierten Studie, in der Teilnehmer während einer achtwöchigen Krafttrainingsphase täglich 1200 mg Ibuprofen einnahmen, zeigte sich, dass die Kontrollgruppe das Muskelvolumen um 7,5% steigern konnte, während die Ibuprofen-Gruppe nur um 3,7% zulegte. Das bedeutet etwa halbiertes Muskelwachstum über den Zeitraum. Allerdings wurde kein Unterschied in der mitochondrialen Funktion zwischen den Gruppen festgestellt.
Ein wahrscheinlicher Mechanismus ist, dass der Entzündungsmarker Interleukin-6 (IL-6) gehemmt wurde. Die Entzündung, die nach dem Training auftritt, ist Teil des Signals, das Reparatur und Anpassung antreibt – sie ist also für maximale Trainingsanpassung notwendig. Diese Entzündung mit entzündungshemmenden Medikamenten zu unterdrücken, ist daher oft kontraproduktiv, wenn das Ziel maximale Entwicklung ist.
Zusätzlich erhöht sich das Risiko für sowohl akute Nierenschäden als auch Hyponatriämie durch die Verwendung von Schmerzmitteln während der Aktivität, besonders in Verbindung mit Dehydration oder extremen Bedingungen.
Zusammenfassung
Die folgenden Punkte fassen die Situation zusammen:
- Akute Perspektive: Schmerzmittel können in mehreren Situationen, besonders bei kurzen, intensiven Anstrengungen oder bei Hitze, eine Leistungssteigerung bieten, und in Dosen von etwa 1500 mg oder ungefähr 20 mg/kg Körpergewicht.
- Chronische Perspektive: Regelmäßige oder wiederkehrende Verwendung von NSAR in Verbindung mit Training vermindert den Trainingsreiz, indem sie die Proteinsynthese und die durch Entzündungen getriebenen Reparaturprozesse hemmen – was auf lange Sicht zu schlechteren Anpassungsergebnissen führt.
- Gesundheitsrisiken: Erhöhtes Risiko von Nierenschäden, Hyponatriämie und möglicherweise anderen Nebenwirkungen, besonders bei längerem Gebrauch oder unter extremen Bedingungen.
- Pragmatische Sichtweise: Wir verstehen, dass Leistungssport manchmal kalkulierte Risiken erfordert, um ein DNF bei einem A-Rennen zu vermeiden. Aber triff eine informierte Entscheidung: Wäge den kurzfristigen Gewinn gegen das Risiko längerer Erholung, schlechterer langfristiger Entwicklung und erhöhtem Verletzungsrisiko ab.
Schmerzmittel können also in vielerlei Hinsicht die Leistung steigern. Gleichzeitig belasten sie die Nieren und die Leber, und das Risiko, eine Verletzung zu verschlimmern oder die Heilungszeit zu verlängern, ist höher, als wenn du dem Körper erlaubst, Schmerzsignale zu senden und sich auszuruhen. Ein paar Kilometer mit einem schmerzenden Knie zu laufen mag im Moment lohnenswert erscheinen – aber denk an die Kosten in Trainingsentwicklung und Verletzungsrisiko auf längere Sicht.
Es scheint, dass Paracetamol und NSAIDs das Potenzial haben, die sportliche Leistung zu verbessern, indem sie die Aktivierung höherer Hirnstrukturen verringern und somit die Anstrengungswahrnehmung und den durch Bewegung induzierten Schmerz reduzieren.